Startseite » Arzneimittel- und Kräutertherapie » Chin. Arzneimitteltherapie - Grundausbildung » 2. Ausbildungsjahr
Im zweiten Jahr werden Sie die Früchte des ersten Jahres ernten, indem Sie die „Bausteine“ zu Rezepturen zusammenfügen lernen..
Das Gelernte wird nun angewendet, indem Sie Einzelkräuter in ihren jeweiligen Wirkungen kennen und so das Zusammenspiel vieler Kräuter und Substanzen in einer Rezeptur durchschauen lernen. „Wenn man verstehen will, wie die Arzneien aufeinander wirken, muss man zuerst die Wirkungen und andere Charakteristika der einzelnen Arzneien verstehen.“ (Dan Bensky)
In der chinesischen Arzneimittellehre sind die Rezepturen nicht einfach Sammlungen von medizinischen Substanzen, deren Wirkungen sich bloß addieren. Vielmehr handelt es sich um komplexe Rezepturen, die sich aus miteinander in Beziehung stehenden Arzneimitteln zusammensetzen, von denen jedes die Wirkung der anderen innerhalb der Rezeptur beeinflusst. Erst diese komplexe Interaktion macht die Rezeptur so wirksam.
Zur Kunst, eine Rezeptur zu erstellen, gehört über das Verständnis der hierarchischen Prinzipien seiner „Bausteine“ ein gutes Maß an Flexibilität, um die Rezeptur an die spezifischen Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Die Rezeptur muss gemäß den Veränderungen des Krankheitsmusters, der Stärke des Patienten, der Jahreszeit und anderer Umweltfaktoren modifiziert werden.
Stets geht es um die Vernetzung der pathophysiologischen Dynamik des Patienten. Die Betrachtung der Einzelmittel und Rezepturen wird im zweiten Jahr konkreter bezogen auf die spezifischen therapeutischen Erfordernisse von Krankheitsbildern.
Eine chinesische Rezeptur zeigt ihre volle Wirkung nur dann, wenn sowohl die Wirkungsrichtung als auch das thermische Verhalten und der Geschmack auf die Pathologie des Patienten abgestimmt sind. Dies kann bedeuten, das man die Auswahl der Arzneimittel, deren relative Dosierung, die Zubereitungsmethode oder Darreichung ändert.
Letztlich zeichnet die Fähigkeit, die Rezeptur den aktuellen Erfordernissen des Patienten anzupassen, gute Arzneimittel-TherapeutInnen aus.